Guten Tag,
wir haben ein Haus gekauft, das überwiegend aus Schiefer gebaut ist, auch die „Fundamente“ einschließlich, gelegentlich findet sich auch ein Ziegel, aber eher in höheren Wandbereichen. Eine horizontale und vertikale Abdichtung fehlt völlig. Momentan planen wir, das Haus von außen auszugraben und eine hochwertige Drainage plus Bitumenanstrich anzubringen. Innen sind die Putze komplett entfernt und der Boden wird ausgebaut; eine Belüftung wird mit einem Iglú-System hergestellt. Das Haus hat keinen Keller und liegt nirgends unter der Geländeoberkante. Gibt es noch weitere Möglichkeiten zum Schutz gegen Feuchte? Macht in diesem Fall eine Injektierung in die Fugen zwischen den Schiefern Sinn? Unterfütterung wird wegen der Statik des Hauses nicht realistisch sein.
Danke für die Antwort.
Martin K.
- Martin K. fragte 2 Wochen ago
- You must login to post comments
Guten Tag, Herr Martin,
Ihr Sanierungskonzept ist sehr gut durchdacht — Aushub mit Drainage, bituminöse vertikale Abdichtung und belüfteter Fußboden sind die richtigen und sich gegenseitig ergänzenden Maßnahmen. Zur belüfteten Bodenplatte nur eine kurze Anmerkung: Die kunststoffgestalteten Iglu-Elemente selbst trennen die Bodenfeuchtigkeit (Erde) bereits von den darüberliegenden Bodenschichten ab, daher wird darauf in der Regel keine klassische Abdichtung mehr angebracht — sie wäre sinnlos. Umso mehr Aufmerksamkeit sollten Sie aber der Wärmedämmung in der Schichtung widmen, da die Bodenplatte durch den belüfteten Hohlraum auskühlt, und natürlich auch auf die Sicherung der Luftströmung unter dem Boden achten. Bei einem nicht unterkellerten Haus lässt sich diese Strömung sehr zuverlässig erzeugen und ist eine hervorragende Maßnahme — nicht nur zur Reduzierung der Bodenfeuchtigkeit im Gründungsbereich, sondern auch zum Abtransport von eventuell erhöhtem Radon.
Und nun zum Kern Ihrer Frage — zur Injektage. Ja, sie macht Sinn, aber man muss die Besonderheit dieses Mauerwerks verstehen. Schiefer gilt allgemein als nicht saugfähig, wobei es auch weichere, hellere und verwitterte Schiefer gibt, die eine gewisse Saugfähigkeit aufweisen — in diesem Fall würde uns die zuverlässige Regel zugutekommen, dass dort, wo Feuchtigkeit kapillar aufsteigt, auch der Wirkstoff des Injektagekrems AquaStop Cream eindringt. Bei klassischem hartem Schiefer aber steigt Feuchtigkeit ausschließlich und oft intensiv durch die Mörtelverbindungen zwischen den Steinen auf. Das Anbohren einzelner Steine macht daher keinen Sinn — die oberflächliche Fuge ist eine „Illusion“, nach wenigen Zentimetern verläuft sie je nach Form der verlegten Steine und die Bohrungsachse weicht ohnehin aus der Fuge ab. Die cremige Konsistenz des AquaStop Cream-Systems hat den entscheidenden Vorteil, dass sie nicht unkontrolliert aus der Bohrung ausläuft und nach und nach alle angeschnittenen saugfähigen Stellen durchtränkt; flüssige Injektagen sind auch bei diesem Mauerwerk nicht einsetzbar. Aber wo sind diese überhaupt zu finden? Auf diese im Grunde rhetorische Frage braucht man wohl nicht zu antworten.
Sie erwähnen, dass sich in den höheren Wandbereichen manchmal Ziegelsteine befinden. Das ist eine sehr wertvolle Information. Bei dieser Bauweise war es häufig so, dass der Schiefer den unteren Teil bildete und darüber Ziegelmauerwerk anschloss — die Übergangsfuge zwischen Schiefer und Ziegelmauerwerk wäre in diesem Fall für die Injektage ein idealer Ort. Dort bohrt es sich gut und die hydrophobe Sperre entsteht absolut zuverlässig. Falls Sie also eine solche Übergangsfuge oder andere durchgehende Fuge in einer verarbeitungstechnisch geeigneten Höhe finden, nutzen Sie diese definitiv. Wo keine geeignete Fuge vorhanden ist, führen Sie die Injektage in zweireihiger „Zickzack“-Ausführung durch — zwei Bohrreihen mit etwa 50 mm vertikalem Abstand, die Bohrungen der oberen Reihe axial zwischen die Bohrungen der unteren Reihe versetzt — dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, die unregelmäßigen Mörtelverbindungen zu durchqueren, erheblich. Rechnen Sie mit anspruchsvollererem Bohren und höherem Bohrmeißelverschleiß.
Zur Höhenlage: Im Idealfall führen Sie die Injektage in der Höhe der kunststoffgestalteten Elemente durch — das Element ist hier praktisch die waagerechte Abdichtung der Bodenplatte, daher gilt dieselbe Regel wie bei allen waagerechten Hydroisolationen in der Bodenschichtung, nämlich die Injektage möglichst nahe an dieser Höhe durchzuführen. Achten Sie nur darauf, dass Sie durch den Bodenaushub nicht unter die Geländeoberfläche geraten — in Ihrem Fall regelt das aber der geplante Aushub mit vertikaler Abdichtung. Falls die höhengerecht geeignete Fuge erst wesentlich über der reinen Bodenhöhe liegt, ist das kein grundsätzliches Problem und wird folgendermaßen gelöst: Vor dem Verlegen der Elemente tragen Sie auf den Wänden von innen Asphaltbahnen auf, besser und einfacher: verwenden Sie den Spachtel AquaStop Bitumen 2K und ziehen Sie ihn von der unteren Kante der Elemente bis zur Injektagehohe mit etwa 50 mm Überstand nach oben. Feuchtigkeit bleibt zwar in der Wand bis zur Injektagehohe, aber neue Putze und die Bodenschichtung werden durch diese vertikale Abdichtung zuverlässig geschützt und beide Isolationen verbinden sich mit der Injektagesperrschicht zu einem funktionierenden und sich ergänzenden Ganzen.
Ergänzen Sie Ihr Sanierungskonzept also um die Cremeininjektage und es wird komplett sein — alle Feuchtigkeitseintrittsrichtungen werden behandelt. Bei Unklarheiten während der Ausführung können Sie unsere Beratungshotline 731 565 565 (Mo–Fr 9.00–15.30 Uhr) nutzen.
Mit freundlichen Grüßen,
Jiří Schwarz
- Trumf S. antwortete 2 Wochen ago
- You must login to post comments
